Wie viele Menschen glauben eigentlich an Gott? Die Antwort fällt je nach Land, Generation und Definition sehr unterschiedlich aus. Während weltweit die grosse Mehrheit einer Religion angehört, schwindet der Glaube in vielen wohlhabenden Ländern spürbar.
Im Folgenden finden Sie 22 faktenbasierte Statistiken zum Glauben an Gott: weltweite Verbreitung, der Sonderweg Deutschlands, der Aufstieg der Konfessionslosen und die Unterschiede zwischen den Generationen.
1. Rund 84 Prozent der Weltbevölkerung gehören einer Religion an
Trotz aller Säkularisierungsdebatten ist die grosse Mehrheit der Menschheit religiös gebunden. Nur etwa 16 Prozent, rund 1,2 Milliarden Menschen, zählen zu den Konfessionslosen. Weltweit betrachtet ist Glaube also die Regel und Religionslosigkeit die Ausnahme, nicht umgekehrt.1
2. Etwa 62 Prozent der Menschen halten sich für religiös
In einer globalen Umfrage von WIN/Gallup International bezeichneten sich rund 62 Prozent der Befragten als religiös. Weitere Gruppen nannten sich nicht religiös oder ausdrücklich atheistisch. Die Selbsteinschätzung schwankt dabei stark zwischen armen, sehr religiösen und reichen, eher säkularen Ländern.2
3. Die Konfessionslosen sind die drittgrösste Gruppe der Welt
Mit rund 1,2 Milliarden Menschen liegen die religiös Ungebundenen weltweit hinter Christen und Muslimen, aber vor Hindus. Viele von ihnen sind nicht überzeugte Atheisten, sondern Menschen ohne feste Konfession, die durchaus an eine höhere Macht oder an Spirituelles glauben.3
4. In den USA glauben noch rund 81 Prozent an Gott
Gallup verzeichnet beim Glauben an Gott in den Vereinigten Staaten einen historischen Tiefstand von etwa 81 Prozent. In den 1950er und 1990er Jahren lag der Wert noch bei über 90 Prozent. Vor allem jüngere Amerikaner treiben den Rückgang voran.4
5. In Deutschland ist rund 44 Prozent der Bevölkerung konfessionslos
Laut fowid gehörte 2022 erstmals weniger als die Hälfte der Deutschen einer der beiden grossen Kirchen an. Mit rund 44 Prozent bilden die Konfessionslosen inzwischen die grösste weltanschauliche Gruppe im Land, noch vor Katholiken und Protestanten.5
6. Skandinavien gehört zu den säkularsten Regionen der Welt
In Ländern wie Schweden, Dänemark und Norwegen ist der persönliche Glaube an Gott besonders schwach ausgeprägt. Zwar sind viele Menschen noch formell Kirchenmitglieder, doch nur eine Minderheit glaubt an einen persönlichen Gott. Religion ist dort weitgehend zur Kulturtradition geworden.6
7. Jüngere Menschen glauben deutlich seltener
In fast allen westlichen Ländern ist der Glaube an Gott unter jungen Erwachsenen deutlich geringer als bei Älteren. Pew dokumentiert diese Generationenlücke weltweit. Da der Glaube selten im Erwachsenenalter neu entsteht, beschleunigt dieser Trend die Säkularisierung von Generation zu Generation.7
8. Glaube und Kirchenmitgliedschaft fallen immer weiter auseinander
Viele Menschen glauben an etwas Göttliches, ohne einer Kirche anzugehören, andere bleiben Mitglied, ohne wirklich zu glauben. Diese Lücke zwischen persönlicher Überzeugung und institutioneller Bindung wächst. Sie erklärt, warum Kirchenaustritte und gelebte Spiritualität nicht dasselbe messen.8
9. 2022 traten in Deutschland über 520.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus
Die katholische Kirche verzeichnete 2022 mit 522.821 Austritten einen Rekord. Auch die evangelische Kirche verlor rund 380.000 Mitglieder. Solche Zahlen sind der sichtbarste Ausdruck dafür, wie stark die institutionelle Bindung an den Glauben in Deutschland nachlässt.9
10. 2023 verliessen rund 400.000 Menschen die katholische Kirche
Nach dem Rekordjahr blieben die Austritte hoch. 2023 kehrten der katholischen Kirche etwa 402.694 Menschen den Rücken, der evangelischen rund 380.000. Beide Kirchen verlieren damit jährlich die Einwohnerzahl einer Grossstadt, vor allem durch Austritte und weniger durch Sterbefälle.10
11. Deutschland ist seit 2022 kein christliches Mehrheitsland mehr
Erstmals in der jüngeren Geschichte gehört weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer der beiden grossen Kirchen an. Wie sich die Zahl der Christen insgesamt entwickelt, zeigt unser Beitrag Wie viele Christen gibt es auf der Welt. Der Trend zeigt klar nach unten.11
12. In China lebt eine der grössten konfessionslosen Bevölkerungen
Ein erheblicher Teil der weltweit Konfessionslosen lebt in Ostasien, allen voran in China. Offiziell ist der Staat atheistisch geprägt, doch volkstümliche Religiosität und ein wachsendes Christentum bestehen daneben fort. Die statistische Erfassung des Glaubens ist dort besonders schwierig.12
13. Der Glaube an Gott variiert in Europa extrem
Eurobarometer-Umfragen zeigen ein gespaltenes Europa. Während in Ländern wie Polen, Rumänien oder Griechenland eine grosse Mehrheit an Gott glaubt, ist es in Tschechien, Schweden oder Estland nur eine Minderheit. Der religiöse Graben verläuft oft zwischen Ost und West.13
14. Religion verliert in wohlhabenden Ländern an Bedeutung
Pew zeigt einen klaren Zusammenhang. Je höher das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, desto geringer ist meist die Bedeutung von Religion im Alltag. Die USA gelten dabei als bemerkenswerte Ausnahme von dieser Regel. Wohlstand und Säkularisierung gehen weltweit häufig Hand in Hand.14
15. Weltweit wächst die religiöse Bevölkerung weiter
Obwohl die Konfessionslosen im Westen zunehmen, sinkt ihr Anteil global. Pew prognostiziert, dass ihr Anteil bis 2050 von 16 auf rund 13 Prozent fällt. Grund sind die niedrigen Geburtenraten in säkularen Ländern und das starke Wachstum religiöser Bevölkerungen anderswo.15
16. Viele Konfessionslose glauben dennoch an etwas Höheres
Konfessionslos bedeutet nicht automatisch gottlos. Umfragen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Menschen ohne Kirchenbindung an eine höhere Macht, an ein Schicksal oder an Spirituelles glaubt. Der klassische, dogmatische Atheismus bleibt auch unter den Ungebundenen eher die Minderheit.16
17. Der Anteil überzeugter Atheisten ist weltweit relativ klein
Nur ein einstelliger Prozentsatz der Weltbevölkerung bezeichnet sich als überzeugt atheistisch. Die grosse Mehrheit der religiös Ungebundenen versteht sich eher als gläubig ohne Konfession oder als unentschieden. Echter, expliziter Unglaube konzentriert sich stark auf wenige säkulare Gesellschaften.17
18. Beten gehört für viele weiterhin zum Alltag
Selbst in säkularen Ländern beten erstaunlich viele Menschen zumindest gelegentlich. Das Gebet überlebt häufig die formelle Kirchenbindung und wird in Krisen, bei Krankheit oder an Lebenswenden wieder wichtig. Glaubenspraxis ist damit oft privater und beständiger, als es die Mitgliederzahlen vermuten lassen.18
19. Christentum und Islam treiben das globale Glaubenswachstum an
Das weltweite Festhalten am Glauben wird vor allem von den beiden grössten Religionen getragen. Wie sie sich zueinander entwickeln, beleuchtet unser Vergleich von Christentum und Islam. Beide wachsen, während die säkulare Welt demografisch zurückbleibt.19
20. In Deutschland sinkt der Gottesdienstbesuch auf wenige Prozent
Nur noch ein kleiner Teil der Kirchenmitglieder besucht regelmässig einen Gottesdienst. Glaube an Gott und kirchliche Praxis driften damit weiter auseinander. Detaillierte Zahlen dazu finden Sie in unseren Statistiken über kirchliche Predigten in Deutschland.20
21. Die religiöse Welt von 2050 wird voller, nicht leerer
Entgegen der Erwartung vieler wird die Welt bis 2050 insgesamt religiöser, nicht säkularer. Die Zahl der Gläubigen wächst absolut schneller als die der Konfessionslosen. Die Säkularisierung bleibt vor allem ein westliches Phänomen, kein weltweiter Trend.21
22. Glaube bleibt eine der prägendsten Kräfte der Menschheit
Auch im 21. Jahrhundert ordnen sich mehr als acht von zehn Menschen einer Religion zu. Der Glaube an Gott prägt Werte, Feste, Kunst und Politik weltweit. Wer ihn verstehen will, kommt an den grossen Zahlen ebenso wenig vorbei wie an den persönlichen Geschichten dahinter.22
Quellen
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- WIN/Gallup International(gallup-international.com)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- Gallup(gallup.com)
- fowid(fowid.de)
- Statista(statista.com)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- fowid(fowid.de)
- Deutsche Bischofskonferenz(dbk.de)
- Tagesschau(tagesschau.de)
- EKD(ekd.de)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- Statista(statista.com)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- WIN/Gallup International(gallup-international.com)
- WIN/Gallup International(gallup-international.com)
- Gallup(gallup.com)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- EKD(ekd.de)
- Pew Research Center(pewresearch.org)
- Wikipedia(wikipedia.org)